Antje Damm

Antje Damm (c) Leonie Damm
Antje Damm (c) Leonie Damm

Antje Damm studierte Architektur in Darmstadt und Florenz und arbeitete zunächst als Architektin, bevor sie anfing Kinderbücher zu schreiben und zu illustrieren. Ihr Werk umfasst vielfältige Genres illustrierter Kinderliteratur und wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt.

Genre

Die jüngste Zielgruppe adressieren Pappbilderbücher wie das textlose Spiel- und Ratebuch Was ist das? (2006), Kindskopf (2011), Schlaf, Kater schlaf! (2017) oder Der Wolf und die Fliege (2019), dessen tierischer Protagonist mehrere Gegenstände verspeist, die auf den Bilderbuchseiten nach und nach – bis hin zur überraschenden Pointe am Schluss – verschwinden und im intertextuellem Spiel eine ironische Brechung von Carles Bilderbuchklassiker Die kleine Raupe Nimmersatt erzeugen. Clara und Bruno (2013), Der Besuch (2015), Warten auf Goliath (2016), Plötzlich war Lysander da (2017) oder Füchslein in der Kiste (2020) gehören zum Genre der Bilderbuchgeschichte, deren bildliche Narration sich mehrfach ausgeschnittener Figuren bedient, die in Räume hineingestellt werden und als Fotografien dreidimensionaler Szenerien in Erscheinung treten. Illustrierte Frage- und Nachdenkbücher wie Ist 7 viel? (2003), Frag mich! (2012), Was wird aus uns? Nachdenken über die Natur (2018) kennzeichnen ebenso wie Alle Zeit der Welt (2007), Nichts und wieder nichts (2009) und Echt wahr? (2014) Damms typischen Illustrationsstil als Mischung aus Zeichnungen, Fotografien und Collagen, die in Kombination mit herausfordernden, Vereindeutigung verweigernden Fragen Kinder zum Nachdenken über philosophische Themen anregen und neue Sichtweisen auf die Wirklichkeit und deren bewusste Wahrnehmung ermöglichen.


Antje Damm: Der Wolf und die Fliege (2019)

 


Antje Damm: Was wird aus uns? Nachdenken über die Natur (2020)

 

Zu den Erstlesebüchern zählen Regenwurmtage (2011), Hasenbrote (2012), Hat Jesus Fußball gespielt? (2016), weiterhin Kleines Afrika (2015) und Elviras Vogel (2017) in der Reihe Tulipan Kleiner Roman. Kiki (2012) und PeterSilie (2016) sind Beispiele für illustrierte Kinderromane im Werk von Antje Damm. Jeder Tag ist Ida-Tag (2019) ergänzt die Genrevielfalt schließlich um ein Werk im Comic-Stil. Das Prinzip seriellen Erzählens von Wiederholung und Variation, das in der Episodenreihung der Ida-Tage aufscheint und ebenso in der Komposition der philosophischen Bilderbücher auftritt, kennzeichnet auch die Fortsetzung von Räuberkinder (2009), wenn die Protagonisten in Räuberkinder feiern Weihnachten (2019) wiederkehren.

Themen

Im Mittelpunkt der realistischen Geschichten stehen Alltagserlebnisse von Kindern, Freundschaften und Familienleben. Immer wieder nehmen dabei auch die Großeltern wichtige Rollen ein (z.B. in Hasenbrote oder in PeterSilie). Das intergenerationelle Verhältnis als Beziehung von Kindern zu alten Menschen prägt besonders die Werke Der Besuch und Hat Jesus Fußball gespielt? Auch das Thema Tod wird in mehreren Werken aufgegriffen: Elviras Vogel erzählt von Tod eines Tieres, Kiki endet mit Tod einer Mitschülerin und in Füchslein in der Kiste beerdigt ausgerechnet eine Truppe Kaninchen den alten, zahnlosen Fuchs. Die fantastischen Tiergeschichten integrieren dabei weitere Themen wie Interkulturalität, Fremdheit und Anderssein (Warten auf Goliath, Plötzlich war Lysander da, Fledolin), die Antje Damm in Text und Bild als überraschenden Umgang mit Konventionen und durch entsprechende Erwartungsbrüchen inszeniert.

Auszeichnungen und Adaptionen

Damms Werke standen auf zahlreichen Empfehlungslisten und wurden vielfach prämiert, unter anderem durch "Die besten 7 Bücher für junge Leser" (Was ist das?, Alle Zeit der Welt, Regenwurmtage, Was wird aus uns?, Füchslein in der Kiste), Empfehlung für den katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis (Alle Zeit der Welt, Echt wahr?, Was wird aus uns?), Nominierung für den Deutschen Kinder- und Jugendliteraturpreis (Räuberkinder, Was wird aus uns?). Der Besuch wurde als eines der New York Times/New York Public Library Best Illustrated Children’s Books ausgezeichnet und Jeder Tag ist Ida-Tag zählte zu den 25 schönsten deutschen Büchern, die die Stiftung Buchkunst prämiert.

 

Nach dem preisgekrönten Bilderbuch Der Besuch entstand zudem ein Theaterstück:

„Wenn sich das Leben seine Bahn bricht, wenn sich Menschen gegenseitig verändern, wenn innere wie äußere Grenzen überwunden werden, wenn das Leben neue Farbe bekommt, wenn zwei sehr unterschiedliche Menschen unterschiedlichen Alters zueinander finden, dann […] ist es eine Geschichte, die wir erzählen wollen.“

(Jürgen Decke, Regisseur, Theater Pfütze)